Tango in Buenos Aires

Tango ist mehr als nur Musik und Tanz. Tango ist in Buenos Aires ein Lebensgefühl, ein Ausdruck von Trauer und Sehnsucht, von Leidenschaft und Hoffnungslosigkeit. Geboren aus Einsamkeit und Weltschmerz ist Tango ein Kind der Einwandererkultur der Stadt. Nur in der Melancholie des Tangos können die harten Männer ihre verletzliche Seite zeigen, weinen und in der Liebe leiden.

Anschaulich dargestellt wird dieses Tango-Gefühl in dem Film 12 Tangos Adios Buenos Aires, der die Lebensgeschichte eines Tangotänzers erzählt. Die Probleme des grauen Alltags und das Vergehen der Zeit prägen den melancholischen Charakter des Tänzers im Film und des Tangos im Allgemeinen.

Entstanden ist der Tango in Argentinien wahrscheinlich zwischen 1850 und 1880 aus einer Mischung afroamerikanischer Rhythmen wie Candombe und Habanero. Zur Weiterentwicklung des Tangos steuerten vor allem die spanischen und italienischen Einwanderer ihre mitgebrachten Träume, Sehnsüchte und ihre Musik bei. Von deutschen Zuwanderern stammt das bandoneón, eine Art Akkordeon, das heute bei keinem Tango fehlt.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war diese neue Musik- und Tanzrichtung der Hafengegend jedoch in den vornehmen Salons der wohlhabenden bürgerlichen Stadteile Buenos Aires nicht zugelassen. Zu sehr erinnerten die Texte an eine sublime Sinnlichkeit, die Bewegungen der Tänzer an sexuelle Begierde. Während Europa bereits dem Tangofieber verfiel, wurde er in seiner Geburtsstadt von den Reichen und Vornehmen und vor allem von der Kirche geächtet.

Erst in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts brach das goldene Zeitalter des Tangos an. Bailongos und Milongas vermehrten sich explosionsartig in der der ganzen Stadt. Komponisten, Musiker, Tänzer und Dichter widmeten sich auschliesslich dem einen Thema: Tango. Selbst Jorge Luis Borges schrieb einige Texte im Tango-Stil.

Der in Frankreich geborene und in Abasto aufgewachsene Sänger Carlos Gardel (Mi Buenos Aires querido, Mi noche triste) personifizierte den Mythos des Porteños und triumphierte in Europa und New York: Gardel war und ist auch heute noch der König des Tangos. Verschiedene Denkmäler und ein eigenes Museum halten die Erinnerung an den bekanntesten Komponisten und beliebten Interpreten des Tangos wach.

Andere wichtige Tango-Größen waren z.B. Enrique Santos Discépolo, Homero Manzi und Cátulo Castillo. Von Discépolo stammt auch das berühmte Zitat, in dem er den Tango ein trauriges Gefühl nennt, das man tanzen kann.

Gegen Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelten sich verschiedene Tango Schulen heraus. Während die einen die Tangomusik mehr dem Tanz anpassten, legten andere Schulen mehr Wert auf die Poesie der geschriebenen Texte, die ausschließlich in lunfardo, der Sprache der Porteños, verfasst wurden.

Astor Piazzolla zählt heute zu den bekanntesten Tangokomponisten. Er war einer der wichtigsten Erneuerer, die die Musik der vergangenen Jahrhunderte mit neuen Harmonien und intensiven Rhythmen in die zeitgenössische Kultur gerettet haben. Seine 1968 uraufgeführte Tango-Oper Maria de Buenos Aires, mit Texten von Horacio Ferrer, war die erste dieses neuen Genres.

Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim präsentierte 2006 übrigens eine Silvestershow mit argentinischen Tangos, die live in Buenos Aires gespielt und im deutschen Fernsehen von ARTE gesendet wurden. Der aus Buenos Aires stammende Barenboim leitete über mehrere Jahre das Orchester des Teatro Colón.

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