Marais, Paris

Das heutige Viertel Marais, zwischen dem dritten und vierten Arrondissement im Zentrum Paris gelegen, war bis ins 13. Jahrhundert ein vor den Toren der Stadt gelegenes Sumpfgebiet. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert kam das Marais jedoch vor allem bei Fürsten, Kardinälen und anderen wichtigen Adeligen in Mode. In einer kurzen Glanzzeit entstanden viele der Stadtpaläste und prachtvollen Barock- und Renaissancebauten. Mit der Rokokozeit zogen die Adeligen nach St. Germain oder Versailles und das Marais wurde zum Viertel der Handwerker und Kleinhändler.

Das Quartier ist aber auch Zentrum des jüdischen Lebens der Stadt. Im Mittelalter fanden die aus Spanien und Portugal kommenden Sephardisten hier eine Heimat. Nach der französischen Revolution kamen Juden aus dem Elsass und Osteuropa hierher. Bis heute ist die jüdische Gemeinde im Marais präsent: Die Schaufenster bieten koschere Lebensmittel, siebenarmige Leuchter und Gebetsschals. Immer mehr macht sich auch der Einfluss der nordafrikanischen Einwanderer bemerkbar: neben den typischen Gerichten wie Gefilte Fisch oder Blinis gibt es auch Falafel und andere eher afrikanisch, arabische Köstlichkeiten im Marais. Nichtsdestotrotz ist die von Hector Guimard gebaute Agudath Hakehilot Synagoge an der Rue Pavée religiöses Zentrum für tausende französischer Juden. In der Rue du Temple gibt es auch ein Musée d’Art et d’Histoire du Judaisme, das durch die Geschichte der Juden über die verschiedenen Jahrhunderte führt.

Straßennamen wie Boulevard du Temple oder Rue du Temple erinnern an den Orden der Tempelritter, die diese ehemals sumpfige Gegend besiedelten und ihren Hauptsitz bis zu Zeiten Napoleons III in der Rue vielle du temple hatten.
Zu den ältesten und schönsten Plätzen des Viertels gehört die Place des Vosges. Hier sollen auch Kardinal Richelieu und Victor Hugo gewohnt haben.
Auch das berühmte Musée Picasso befindet sich im Marais, im ehemaligen Hôtel Salé, in der rue Thoringny. Der ehemalige Königspalast beherbergt heute 203 Bilder, 191 Skulpturen und über 3.000 Zeichnungen und Manuskripte, unter anderem die private Sammlung Picassos sowie einige Werke Cézannes.


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